Edelstein-Trilogie ohne Schliff

Rubinrot. Liebe geht durch alle Zeiten - Kerstin Gier Saphirblau - Kerstin Gier Smaragdgrün - Kerstin Gier

Manchmal ist es ein echtes Kreuz, in einer Familie zu leben, die jede Menge Geheimnisse hat. Der Überzeugung ist zumindest die 16-jährige Gwendolyn. Bis sie sich eines Tages aus heiterem Himmel im London um die letzte Jahrhundertwende wiederfindet. Und ihr klar wird, dass ausgerechnet sie das allergrößte Geheimnis ihrer Familie ist. Was ihr dagegen nicht klar ist: Dass man sich zwischen den Zeiten möglichst nicht verlieben sollte. Denn das macht die Sache erst richtig kompliziert! (Arena)

 

Nachdem ich im letzten Monat Silber von Kerstin Gier gelesen hatte (was mich wirklich sehr begeistert hat) stand diesen Monat nun die Edelstein-Trilogie an, die ich hier im Komplettpaket rezensieren muss. 'Warum muss?', wird sich vielleicht der ein oder andere fragen. Tja, das liegt daran, dass es sich bei den drei Bänden um eine durchgängige Geschichte handelt - und zwar so durchgängig, dass ich noch während des Lesens partout nicht einordnen konnte, was in welchem Buch passiert ist. Klar, nicht jede Reihe kann à la Harry Potter in Schuljahre gegliedert sein, aber meistens hat man doch einen vorherrschenden Plot, der am Schluss eines Bandes zu einem Ende geführt wird. Hier jedoch verschwimmt alles zwischen etlichen Zeitreisemissionen zu einem Einheitsbrei. Vielleicht bin ich an dieser Stelle auch etwas kleinlich, doch wenn ich die drei Bücher hier neben mir betrachte, habe ich wirklich keinen Schimmer, warum es denn jetzt drei mussten - es wäre auch jede beliebige andere Zahl denkbar gewesen. Aber nun genug davon!

 

Der Schreibstil ist zwar ordentlich und die Geschichte lässt sich gut lesen, an den Esprit und die Spritzigkeit von Silber reicht er aber um Längen nicht heran (deshalb mein Rat: Wenn ihr alle Bücher von Kerstin Gier lesen wollt, nehmt euch zuerst die Edelstein-Trilogie vor und danach Silber, sonst seid ihr vermutlich genauso ernüchtert wie ich...). Die Figuren haben aber trotzdem ihren Charme (vor allem Xemerius der Dämon sorgt für Unterhaltung) und die Autorin beweist mal wieder, dass sie eine natürliche Begabung für skurrile Namensgebung hat. Interessant ist auch die Tatsache, dass hier zwar unglaublich viele Klischees bedient werden, man als Leser aber merkt, dass Kerstin Gier sich dessen bewusst ist und dieses Wissen ganz gezielt in die Geschichte mit einbringt, sodass unterm Strich eher ein nachsichtiges Lächeln als ein stirnrunzelnder Seufzer steht.

Trotz einfach gestrickter Gesamthandlung ist das Verfolgen der Story im Detail dann doch zum Teil einigermaßen verwirrend, einfach weil man sich bewusst machen muss, in welcher Zeit die Handlung gerade stattfindet und wer wann in die Vergangenheit eingegriffen hat, um ein bestimmtes Ereignis auszulösen. Als unrealistisch empfand ich in diesem Zusammenhang auch die Zeitspanne, in der Gwen und Gid ihr tolles Abenteuer (ja, das ist ironisch gemeint) erleben - etwa ein bis zwei Wochen sind es zwischen erster Begegnung und unsterblicher Liebe...

Alles in allem war die Geschichte dann doch eher mäßig spannend, der aufmerksame Leser kann sich vieles relativ früh zusammenreimen, was erst einige hundert Seiten später als große Überraschung präsentiert wird - da kommt man mit dem Lesen dann doch eher schleppend voran.

 

Puh, jetzt hab ich mal wieder ordentlich rumgemeckert, obwohl die Bücher in der Summe dann doch nicht so unterirdisch waren und durchaus auch ihre guten Momente hatten. Wer aber eine unterhaltsame, spannende Liebesgeschichte sucht, dem würde ich eher zu Silber raten.

 

"Opal und Bernstein das erste Paar,

Achat singt in B, der Wolf-Avatar,

Duett - Solutio! - mit Aquamarin.

Es folgen machtvoll Smaragd und Citrin,

die Zwillings-Karneole im Skorpion,

und Jade, Nummer acht, Digestion.

In E-Dur: schwarzer Turmalin,

Saphir in F, wie hell er schien.

Und fast zugleich der Diamant,

als elf und sieben, der Löwe erkannt.

Projectio! Die Zeit ist im Fluss,

Rubin bildet den Anfang und auch den Schluss."

(Rubinrot, S.105)